Geschichten


Roxy - Die Story (Thorsten Kleyboldt, 2003)
Roxy (Lydia Kleyboldt, 2004)
Amigo (Lydia Kleyboldt, 2005)

 

Roxy - Die Story  (geschrieben von Thorsten Kleyboldt 2003)

 

Es war ein verschneiter Wintertag.

Ich habe dieses Jahr zum ersten mal richtigen Schnee gesehen, denn in Südspanien, wo ich herkomme, schneit es nie soviel. Ich bin "Roxy" das junge Podenco-Mädchen aus dem Tierheim Koppelweide. Ich lebe jetzt schon fast ein Jahr hier in diesem Tierheim. Vorher hatte ich mein Zuhause in der Heimat bei Alicante, wo mich die Menschen von SAT, dem spanischen Tierschutz in Gewahrsam nahmen.

Eigentlich war noch keine Besuchszeit. Aber dennoch hatten wir am 27.12.2001 um 14:30 Uhr Besuch von zwei Personen. Sie waren gekommen, um sich mich und meine Freunde im Tierheim anzuschauen. Seltsamerweise blieb der Mann und die Frau direkt vor dem Zwinger stehen, in dem ich zuhause war. Ich hatte mich dazu entschlossen, erst mal in der Tür zum Zwinger stehen zu bleiben und die Lage aus der der Distanz zu beobachten. Unter meinen Kollegen war helle Aufregung zu verspüren. Es wurde laut und heftig gebellt als die zwei Personen die Gitter entlanggingen. Als sie den letzten Zwinger in Augenschein genommen hatten, kamen sie wieder zurück an meine Box. Dann wurde ich gerufen! Etwas skeptisch machte ich mich auf den Weg von der Tür zum vorderen Zwingergitter, wo diese beiden Menschen in voller Neugier auf mich warteten. Sie steckten ihre Finger durch das Gitter, so dass ich sie beschnuppern und ablecken konnte. Ruhig zog ich mich wieder zurück zur Tür um abzuwarten was nun geschieht. Die Leute gingen aber wieder, ohne auch nur ein Leckerchen zu hinterlassen.

Am nächsten Tag, kaum war die Besucherzeit gekommen, standen diese Personen jedoch wieder vor dem Gitter an meinem Zwinger und haben mich gerufen. Einige meiner Kameraden waren schon spazieren gegangen, aber mich hatte bis dahin noch niemand abgeholt. Ich dachte also: Diese zwei kommen sicher, um mit mir zu gehen.
Und so war es auch! Ungefähr eine Stunde zog ich den Mann, der mich an der Leine hatte, durch die umliegenden Wälder. Ich muss gestehen - etwas aufgeregt war ich schon.
Ich zerrte wie immer an der Leine, denn die Menschen wissen ja nie wo es gut riecht und wo es ein interessantes Geräusch gegeben hatte. Es war alles in allem ein gewohnter Spaziergang, wie ihn schon viele andere Leute vorher mit mir gemacht hatten. Wieder am Heim angekommen brachte man mich nicht zurück in den Zwinger, wie ich es gewohnt war!

Ich wurde zu meinem Erstaunen mit in das Büro der Tierheimleitung genommen. Dort bekam ich einige Leckereien, während sich die Menschen unterhielten. Einige Male konnte ich auch meinen Namen hören. Nachdem der Mann schließlich ein Papierstück gelesen und unterschrieben hatte, kamen die anwesende Pfleger- und Vermittlerin zu mir und taten ganz so, als wenn sie mich nicht wieder sehen würden. Und tatsächlich! Ich kam nicht zurück in den Zwinger, sondern ging mit den beiden Leuten zu einem Auto.

Als man mich schließlich auf der Rücksitzbank verfrachtet hatte, ging die Fahrt auch schon los. Niemand hatte aber bemerkt, dass ich vor dem Einsteigen nocheinmal zum Tierheim zurückgeschaut hatte, um Abschied von meinen Freunden zu nehmen.
Eine Frage ging mir durch den Kopf: Habe ich eine neue Familie gefunden?

Nach einer längeren Autofahrt konnte ich dann mein neues Zuhause in Augen- oder besser in Nasenschein nehmen. Vom Keller angefangen arbeitete ich mich vorsichtig weiter nach oben. Im Erdgeschoss wurde ich dann einem älteren Mann vorgestellt, der einen sehr überraschten Eindruck auf mich machte. Er hatte wohl nicht mit mir gerechnet!
Auch seine Behausung musste ich erst mal sorgfältig beschnuppern.
Als ich dann noch eine Etage die Treppe hinaufgelaufen war, erblickte ich zuerst ein schönes, gemütliches Körbchen und mir war sofort klar: Das kann nur für mich da sein!
Ohne Hemmungen nahm ich es in Beschlag und legte mich kurz "zur Probe" nieder, denn dieser Tag war schon recht anstrengend gewesen. Die Wohnung wurde gleich darauf ausführlich inspiziert. Es gab viele neue interessante Dinge zu entdecken.

Die erste Nacht im neuen Zuhause begann. Die Frau und der Mann verabschiedeten sich mit Streicheleinheiten von mir, löschten das Licht und schlossen die zwei Türen, die aus der Küche führen. Ich war im fremden Heim im Dunkel der Nacht eingesperrt! Nach und nach wurde es mir sehr unbehaglich und ich fing an zu winseln und zu jaulen. Es muss schon um Mitternacht gewesen sein, als Herrchen plötzlich in der Türe stand, um mich zu trösten. Nach kurzer Zeit war ich wieder beruhigt und lag in meinem Körbchen. Herrchen verschwand wieder hinter verschlossener Tür. Eine Stunde später hielt ich die Einsamkeit und Dunkelheit nicht mehr aus und das selbe Spiel wiederholte sich. Ich hätte gerne Bescheid gegeben: "Hey mach doch mal...!" - aber man konnte mich ja nicht verstehen!
Stündlich wiederholte sich die Situation und Herrchen kam immer wieder um mich zu beruhigen. Gegen Morgen, ich begann jetzt sogar schon zu bellen, kam Herrchen zum letzten mal in dieser Nacht in die Küche. Er hatte begriffen: Diesmal ließ er das Licht ein wenig an! Mehr hatte ich ja nicht gewollt! Lektion erteilt! So konnten alle Beteiligten doch noch ein paar Stündchen in Ruhe schlafen.

Der nächste Tag begann mit einem ausgedehnten Spaziergang und ich konnte mir einen ersten Eindruck von der Umgebung machen. Mein neues Heim liegt in einer ruhigen Wohnsiedlung
mit vielen Einfamilienhäusern, dazwischen enge Straßen und Fußwege. Ein kurzes Stück entfernt vom Haus liegt eine kleine Wiese, auf der ich morgens meine Geschäfte verrichten kann. Etwas weiter entfernt findet man riesige Wiesen und sogar eine Talsperre, die von wunderschönen Wäldern und Wegen umgeben ist. Dort gehen wir fast jeden Tag spazieren.

Ich bin jetzt schon fast zwei Wochen bei meiner neuen Familie und habe mich vorbildlich eingelebt. Andere Hunde gibt es in der Nachbarschaft zu Genüge und ich habe auch schon neue Freunde gefunden. "Jazur" und "Bedui" sind zwei Sloughi-Rüden die zu Freunden von meinem Herrchen gehören. Wir gehen oft gemeinsam laufen. Jazur ist sogar ein Weltmeister im Hunderennen geworden! Zwei tolle Kerle.

Werktags sieht mein Tagesablauf im Allgemeinen folgendermaßen aus:
Fünf Uhr morgens wird geweckt. Dann folgt ein kleiner Spaziergang mit Herrchen zum ersten "Gassi" machen. Um 5:45 Uhr geht Herrchen dann zu Arbeit. Auch Frauchen muss arbeiten und verschwindet um 7:00 Uhr. Aber da ist ja noch der ältere Mann eine Etage weiter unten. Die Küchentür zum Treppenhaus ist offen, und ich kann ihn besuchen, wie es mir beliebt.
Gegen 11:30 Uhr geht er dann mit mir in die Stadt oder andere, verschiedenste Wege, ganz wie es beliebt und ich habe meinen zweiten Ausgang gehabt.
Dann warte ich auf 15:00 Uhr, denn dann kommt meistens Herrchen wieder nach Hause!
Ein "Leckenchen" ist da schon sicher und die Begrüßung fällt sehr stürmisch aus. Jetzt weiß ich, es dauert nur noch eine Stunde, dann ist wieder ein ausgedehnter Ausgang an der Reihe.
Gegen 16:00 Uhr geht's los. Frauchen kommt auch manchmal mit, irgendwer ist eigentlich immer zusätzlich dabei. Da kommt keine Langeweile auf! Eine Stunde ist da schnell vorüber, aber meist dauert es sowieso länger, bis wir heimkehren.


Zuhause angekommen wird sich dann ausgeruht, gespielt oder geschmust. Letzteres mag ich besonders gerne mit Frauchen. Die kann das stundenlang mit mir machen. Herrchen versucht immer öfter mir Gehorsam beizubringen und hat damit auch schon Erfolg. "Sitz, Platz, bleib, steh, nimm, nein, aus" lauten die meistbenutzten Befehle, die ich mittlerweile fast immer befolge.

Kleine Schäden sind auch schon durch mich entstanden. So habe ich zum Beispiel Frauchens Lammfellhausschuhe angeknabbert und die Mülleimer umgestoßen. Aber im Vergleich zu dem, was ich hätte anstellen können, waren das nur Kleinigkeiten. Man will sich ja benehmen...

An den Wochenenden sieht das alles natürlich ganz anders aus. Da sind beide Herrchen den ganzen Tag zuhause und wir machen die tollsten Sachen.

Alles in allem gefällt es mir hier sehr gut und ich kann behaupten: Ich habe eine nette Familie gefunden!

Diese Woche war ich beim Tierarzt und man hat mich "gechipt". Das war eine ganz harmlose Sache und hat nicht weh getan. In ein paar Tagen muss ich aber wieder hin, dann werde ich kastriert. Ich muss zugeben: Ein wenig Angst habe ich schon davor - genau wie meine Herrchen!

So, das waren die ersten Eindrücke, die ich von meiner "neuen Heimat" erzählen kann.

Ach so, ich hätte fast vergessen zu erwähnen, dass ich auch im Internet in meiner neuen Umgebung zu sehen bin: www.podimix.de

Bis wir uns mal begegnen, ein dicker "Schleck",

Eure ROXY.

 

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