Geschichten


Roxy - Die Story (Thorsten Kleyboldt, 2003)
Roxy (Lydia Kleyboldt, 2004)
Amigo (Lydia Kleyboldt, 2005)

 

Amigo  (geschrieben von Lydia Kleyboldt 2004)

 

 Das erste Bild von Amigo ( im Internet)

 

Ein halbes Jahr nachdem Roxy bei uns eingezogen war wurde der Wunsch nach einem zweiten Hund in mir wach. Ich äusserte mich zunächst nicht, aber besuchte immer öfter Tierheimseiten im Internet. Dann erwähnte ich bei meinem Mann diesen Wunsch, den er natürlich nicht ernst nahm. Auch bei meinem Vater fühlte ich vor, der aber total dagegen war. Meinem Mann und meinem Vater genügte Roxy, wobei ich der Meinung war, das Hundegesellschaft ihr vielleicht Spaß machen würde, zumal sie sich mit Bruto, unserem Nachbar-Podenco, sehr gut verstand. Ich suchte weiterhin im Internet. Mein Vater dachte ebenfalls nicht, das dieser Wunsch ernst war. Immer wieder sprach ich ihn darauf an, bis er merkte, das es mir wirklich sehr ernst war. Ihm wurde ganz anders und ich versprach ihm, das ich nicht wie bei Roxy plötzlich mit einem Hund in der Tür stehen würde. Diesen zweiten Hund müssten wir unter ganz anderen Voraussetzungen auswählen als Roxy, da er sich in unsere Gemeinschaft einfügen müsste und das sei etwas anderes, erklärte ich meinem Vater. Dieses Gespräch fand statt, als Roxy ca. 1,5 – 2 Jahre bei uns war.

Immer wieder zeigte ich meinem Mann Hunde auf Internetseiten, aber er reagierte meistens mit einem „mh, jo“. Wenn ein Hund interessant schien, fuhren wir auch in die Tierheime, z. B. Wiehl, Siegen und Wipperfürth, aber bei keinem Hund sprang der Funken über.

Ich hatte mich auf der Suche sehr auf eine Hündin versteift, was meinem Mann auch lieber war, als ein Rüde. Im Tierheim und von unseren Bekannten erfuhren wir dann, das es mit Hündinnen unter Umständen problematisch werden könnte. Wenn sie richtig Streit bekommen, könnte es passieren, das man selbst nach Jahren diese beiden Hündinnen trennen müsste. Das wollte ich natürlich gar nicht hören und auch nicht wahr haben, denn ich wollte absolut keinen Rüden. Es hieß immer Rüden wären schwerer zu erziehen, markieren überall, bei Spaziergängen problematisch wenn andere Rüden den Weg kreuzen..... Ich suchte weiter eine Hündin.

 

Aber dann ...

 

Häufig war ich auf der Internetseite der Podenco Association e. V. zu Gast, zumal wir die Leute der Association, im besonderen Peter und Simone Doepp, auf diversen Podencotreffen kennen gelernt haben. Ich klickte auf das virtuelle Tierheim und ups!!! NEUE HUNDE!? Das erste Bild, ein Podenco-Mischling, wie Roxy nur in schokoladenbraun. Weisse Pfoten, weisse Blesse, weisse Brust, aber ein RÜDE! Naja, ich tippte meinem Mann trotzdem auf die Schulter, schau mal!!! Und kein mh, jo kam, sondern nichts, nichts als Schweigen und ein Blick zu mir. Dann die Fragen: Wo kommt er her; ein Rüde, egal; von privat zu vermitteln, was heisst das? Den Hund möchte ich mir ansehen, sagte mein Mann. Jetzt wurde mir ganz anders, denn ich hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit. Plötzlich wieder die Angst vor der eigenen Courage! Wir setzten uns mit Peter Doepp in Verbindung und dann mit der Familie, die Amigo, so hieß er, vermitteln wollte.

Es folgten mehrere Telefonate, in denen man schon einiges austauschte und dann die Verabredung traf, das wir uns den Hund mal ansehen wollte. Das Problem: es lagen ca. 460 km zwischen uns. Also mal eben hinfahren war nicht. Nach einigen Überlegungen bot die Familie uns an, zu kommen und bei ihnen zu übernachten. Es war ihnen wichtig uns kennen zu lernen, um zu wissen, wo Amigo ein neues Zuhause finden würde. Sie selbst wurden ihm aus Zeitmangel nicht mehr gerecht und hatten sich schweren Herzens dazu entschlossen Amigo abzugeben und zwar zu Leuten, die sich mit Podencos auskennen. Roxy lebte nun schon 2,5 Jahre bei uns.

Wir vereinbarten einen Termin. Die Gefühle fuhren Achterbahn, hatten wir unseren zweiten Hund gefunden?

 

Dann kam das Gespräch mit meinem Vater. Er sagte nur, wenn es mich glücklich machen würde, dann sollten wir es eben versuchen und ich versprach ihm auch in seinem Sinne zu entscheiden.

 

14 Tage des Wartens begannen. Lange 14 Tage! Immer wieder die Fragen sollten wir tatsächlich, oder lieber doch nicht? Was wir hatten wussten wir, was wir bekommen würden...? Wird Roxy eifersüchtig? Spielt sie die erste Geige? Sie lieber doch alleine lassen oder doch mit Hundefreund? Ich las  in dieser Zeit viel in Foren im Internet und bei den meisten Erfahrungsberichten bezüglich zweiter Hund war der Zweithund eine Bereicherung!

Also locker bleiben! Wir müssen ja nicht!

Besagte 14 Tage später fuhren wir los. Wir wollten das Wochenende geniessen, egal wie es ausgehen würde. Wir wollten nette Leute kennen lernen, wir wollten deren Hunde kennen lernen und wir wollten eben ein schönes Wochenende haben, also alles ganz locker angehen.

 

Verabredet hatten wir uns mit der Frau auf einem Parkplatz, damit die Hunde auf neutralem Boden zusammen treffen konnten. Die Frau war mit ihrem Sohn und den Hunden schon da, als wir eintrafen. Als sie uns kommen sah, nahm sie Amigo an die Leine. Die andere Hündin schnüffelte auf der Wiese und interessierte sich nicht für uns. Wir ließen Roxy noch im Auto und gingen zu der Frau hin. Amigo hatten nichts besseres zu tun, als mächtig in die Leine zu gehen und mich anzubellen. Ich bekam im ersten Moment einen Schreck. Die Frau lachte und sagte, groß, dunkel und ne große Klappe aber nichts dahinter, sie hatte mich ja schon gewarnt. Nach der Begrüßung ließen wir die Hunde auf der Wiese laufen. Ich sagte zu meinem Mann, das war´s ja wohl, der hat ja einen Kringelschwanz und das mag mein Mann gar nicht. Er meinte aber, das wäre doch nicht schlimm, hat er sich schon in diesen Hund verliebt? Roxy und Amigo beschnüffelten sich kurz und dann ging Roxy ihrer Lieblingsbeschäftigung nach, Mäuse suchen. Auch die andere Hündin verhielt sich lieb und ruhig.

 

Dann fuhren wir weiter zu den Leuten nach Hause. Sehr nette Leute. Uns wurde das Haus gezeigt und die kleine Wohnung im Keller in der wir übernachten sollten. Wir richteten uns ein und danach gab es Mittagessen. Die Hunde waren alle lieb, aber man merkte, das die Hündin das Sagen hatte und Amigo in ihrer Nähe auch sehr sicher war. Roxy verhielt sich zurückhaltend, wie wir das von ihr gewöhnt waren, wenn wir woanders sind.

Zum Spazieren gehen fuhren wir ein kleines Stück mit dem Auto. Alles drei Hunde in ein Auto und kein Problem. Wir fuhren bis auf einen Berg und hatten dort eine fantastisch Wiese die gut überschaubar war und ließen alle Hunde laufen. Roxy beschäftigte sich sofort wieder mit der Mausjagd und Amigo tat es ihr gleich.

Mucca, die andere Hündin, wollte mit ihrem Ball beschäftigt werden. Es war ein schöner Spaziergang, aber auch sehr aufregend. Wieder zu Hause haben wir natürlich erzählt, erzählt und erzählt. Zwischenzeitlich gingen kleine Käbbeleien zwischen den Hunden ab, die aber nicht besorgniserregend waren. Es war eine eigenartige Situation, wir in der Vorfreude eventuell einen zweiten Hund zu bekommen und die Familie traurig ihren Hund herzugeben. Der Abend verlief sehr harmonisch. Zwischendurch wurde die Hündin der Familie in die Küche „verbannt“, um zu sehen, wie Roxy und Amigo sich verstehen, wenn sie nicht dabei war. Amigo war in ihrer Gegenwart sehr selbstsicher, was aber sofort verloren ging wenn sie nicht mehr im Raum war. Dann näherte er sich vorsichtig Roxy oder umgekehrt. Man konnte sagen, das die beiden sich wohl verstehen würden, obwohl Roxy sehr zurückhaltend war und ich Bedenken hatte, das sie untergehen würde, aber sie war ja nicht zu Hause.

In der Nacht habe ich sehr schlecht geschlafen und hin und her überlegt was wir wohl machen sollten. Plötzlich hörte ich was! War Amigo bei uns an der Tür?

Auf der einen Seite wollte ich, aber auf der anderen war ich sehr ängstlich. Dann war ich zu dem Entschluss gekommen Nein zu sagen und überlegte schon wem ich was sagen wollte, warum nicht. Ungeduldig wartete ich darauf, das mein Mann wach werden würde. Als er einigermaßen wach war fragte ich ihn, wie er sich entschieden hatte. Er schaute mich groß an und sagte nur: ja mitnehmen! Ich war noch nicht überzeugt und er sagt, solch einen Hund werden wir nie wieder bekommen. Er hat alles was wir uns vorgestellt hatten. Er war groß, ein Podenco-(wahrscheinlich)WOLFHOUND-Mischling, lieb, aber ein Rüde, damit aber auch die große Wahrscheinlichkeit das sich die Hunde auf Dauer gut verstehen, was bei zwei Hündinnen schon mal kritischer sein kann. Mein Mann hatte recht, aber dann kam noch meine Frage was wohl mein Vater sagen würde und mein Mann meinte das mein Vater mit dem Hund klar kommen würde.

Mit dieser Entscheidung gingen wir zum Frühstück in dessen Verlauf das Gespräch natürlich darauf hinauslief, ob wir Amigo mitnehmen würden oder nicht. Wir teilten unsere Entscheidung der Familie mit, die auf der einen Seite froh war uns kennen gelernt zu haben und wussten, das Amigo in guten Hände kam, aber auf der anderen Seite sehr traurig war, das der Abschied von ihrem Hund bevorstand. Nach dem Frühstück machten wir noch einen ausgedehnten Spaziergang und gegen Mittag brachen wir auf.

 

Der Abschied fiel schwer und es flossen auf beiden Seiten Tränen. Einen Hund aus dem Tierheim zu holen ist ein schönes Gefühl, aber hier hatte ich ein beklemmendes Gefühl. Man kann es gar nicht beschreiben.

Ich weinte noch eine Weile vor mich hin und beruhigte mich aber bald, weil die Vorfreude auf zu Hause überhand nahm. Die Hunde verhielten sich auf der Fahrt absolut ruhig, so das wir kaum merkten, das zwei Hunde im Kofferraum sind. Die Heimfahrt klappte wunderbar, wir rasteten alle 2 Stunden um Gassi zu gehen und waren gegen 18:00 Uhr zu Hause. Der spannende Moment mit meinem Vater ließ noch auf sich warten, da er nicht zu Hause war. Er kam jedoch 15 Minuten nach uns heim. Das ersten was mein Vater zu Amigo sagte war: das ist aber ein liebes Tier, na ja aber ziemlich groß. Mir fiel ein Stein vom Herzen! Wir ließen die Hunde in den Garten. Darüber kamen auch unsere Nachbarn mit ihrem Hund und alles tobte durch unseren Garten.

Plötzlich schrien alle, was war passiert? Amigo stand im Gartenteich und schaute verständnislos in die Runde.

Warum schreien die denn so? Roxy hasst Wasser, aber Amigo liebt es, doch das hatten wir in der allgemeinen Aufregung vergessen.

 

  Das erste Bild im neuen Zuhause!

 

Nachdem sich alle wieder beruhigt hatten gingen unsere Nachbarn nach Hause und wir packten das Auto aus und gingen mit Amigo rein. Er beschnüffelte alles sehr interessiert ging aber an nichts dran. Das hatte ich auch erwartet, weil er Wohnung und Alltag einer Familie kannte, im Gegensatz zu Roxy, die aus dem Tierheim in die Wohnung kam. An diesem Abend gingen wir noch eine große Runde spazieren und ließen den Tag in Ruhe ausklingen.

Die Frage wo Mietsch, wie er gerufen wird, schläft war schnell geklärt! Nicht im Bett!!! 70cm und 40,5 kg schwer, dann müsste ich ausziehen, den Roxy mit ihren 60cm und 18,5 kg kann sich schon mal ziemlich breit machen. Also bekam Mietsch ein Körbchen neben meinem Bett, mit Kuscheldecke und Kissen, wo er bis heute brav die Nächte verbringt und auch keine Anstalten macht Nachts ins Bett zu krabbeln (toi toi toi).

Roxy machte ihm schnell klar, das sie die Chefin im Haus ist, aber das kannte er ja schon von Mucca und er akzeptiert das auch fast widerstandslos. Ab und zu kämpfen die zwei, aber Mietsch gibt schell nach, dafür spielen Roxy und Mietsch gerne miteinander. Es wird immer eine Runde durch den Garten gefegt und in der Wohnung spielen die zwei liebend gern mit einem Seil an dem drein Kunststoffwürstchen befestigt sind (siehe auch die Bilder im Fotoalbum). 

Mietsch ist jetzt 4 Monaten bei uns. Er hat ca. 5kg abgenommen und hat eine super Figur. Schöner könnte es mit zwei Hunde nicht sein. Auch mein Vater hat von Anfang an keine Probleme mit Mietsch gehabt.

Wir haben Mietsch ebenfalls daran gewöhnt, überall mit hinzugehen und ziehen jetzt mit zwei Thermodecken los. Egal ob wir Essen gehen oder einkaufen gehen oder einfach Freuden und Bekannte besuchen, wenn es möglich ist, nehmen wir die Beiden mit.

 

 

 

     Zwei der jüngsten Bilder!    

 

nach oben